Herbsttörns


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Ende August gings abermals nach Süden zum letzten Abschnitt 2021. Walter, Peter und Franz waren (wie im Vorjahr) meine Begleiter, wobei wir gleich in der Anreisephase etwas Action  hatten. Aufgrund eines sehr starken Gewitters in Preveza hatte der Pilot Probleme beim Landeanflug und musste zweimal knapp vor dem Aufsetzen durchstarten um anschließend doch nach Korfu auszuweichen.  „….the Pilot decided not to land, we will go to Korfu….“ Dort wurde aufgetankt, das Gewitter abgewartet und zwei Stunden später waren wir dann doch am Ziel.

In Nidri lag die Calisto bereits am Skorpios Ponton, Strom war angeschlossen, Kühlschrank eingeschaltet, alles perfekt – danke Conny. Zusätzlich hatte ich mir mehrere Pakete nach Nidri schicken lassen und Conny war froh, dass diese wieder aus seinem Büro verschwanden. Ich durfte nun einen Torqeedo Travel 1103 (elektrischer Aussenborder mit Akku), einen 1500wh Power Oak (Powerstation mit Lithiumakku), und eine faltbare Solarpanele mit 120W, mein Eigen nennen. Es war so ein bisschen wie Weihnachten und vor der Calisto türmten sich die Verpackungsmaterialien.

Unser Törn startete bereits am nächsten Tag nach Meganisi/Karnagio und sollte uns in einer guten Woche bis Zakynthos bringen. Es gab jetzt bereits diese Herbststimmung, die Temperaturen waren nicht mehr so hoch und die Tage bereits merklich kürzer.  Wir hatten aber keine langen Etappen geplant und fuhren via Vasiliki – Ithaka/Vathi – Poros – Kato Katelios – nach Süden. War es zu Beginn noch gemächlich, begann der Wind ab dem dritten Tag aufzufrischen.

Von Vathi hatten wir als nächsten Stopp den Hafen Sami geplant, doch der war um 14.30 Uhr bereits voll und wir wurden vom Hafenmeister hinauskomplimentiert. Also bei Windstärke 5-6 NW auf nach Poros, wo wir bereits 2 1/2h später eintrafen. Auch hier war es ziemlich voll und zusätzlich gab es nun einen neuen Schwimmponton, wo nicht ersichtlich war, ob hier freies Anlegen (Längsliegen) möglich ist. Zwei Anlegeversuche am Ende des Südwestkai musste ich aufgrund des starken Seitenwindes abbrechen, weshalb wir dann mit Hilfe vom Ufer am hohen Nordkai r.k. mit 30m Kette anlegten. Es gab noch einiges an Hafenkino denn es suchten weitere Segler Schutz und probierten sich irgendwo rein zu zwicken. Unser Platz war ganz ok. Für den steilen Ausstieg zum Kai (ca 1m oberhalb der Bordkante) befestigten wir ein Handseil am Laternenmast welches zum Boot herunterreichte, damit wir beim Rauf- und Runtersteigen etwas zusätzlichen Halt hatten. Der Wind blieb die gesamte Nacht bei 5-6 Bft und drehte etwas auf West, damit auf die Seite. Das bb neben uns liegende Schiff musste um vier Uhr Früh eindampfen und den Anker neu setzen. Nach zwei negativen Versuchen verließen sie entnervt den Hafen und fuhren bei ungemütlichem Wellengang hinaus die Dunkelheit.

Unser Morgen verlief gemütlich, bis um 09.30h ein örtliches Passagierschiff in den Hafen einfuhr und seinen Anker quer über unsere Ketten legte. Wir dachten er lässt nur jemand Aus-Einsteigen und fährt wieder, doch nein – er stellte sich offensichtlich für ein paar Stunden Aufenthalt ein. Das behagte den neben uns liegenden Russen auf ihrem Riesenkat überhaupt nicht und der Skipper legte beinhart ab, obwohl er wusste dass er keine Chance hatte, weil ja seine Ankerkette blockiert war.  Zuerst dachten wir die sind einfach zu betrunken und checken die Situation nicht, doch der Skipper fuhr immer wieder nach vorne, holte seinen Anker soweit als möglich ein und riss dadurch permanent an den zwei quer darüber liegenden Ankerketten des Passagierschiffes. Dort schrie sich die Besatzung die Seele aus dem Leib, doch das war den Russen egal. Das Spiel ging mindestens eine halbe Stunde so, bis das Passagierschiff entnervt aufgab, ablegte und bis zur Hafeneinfahrt fuhr. Somit war die Ankerkette des Russen (und auch unsere) frei und einer raschen Abfahrt stand nichts im Wege.

Es folgte eine schöne (raumschots)Segelfahrt, die Küste südwärts entlang bis zum südöstlichsten Punkt von Kefalonia, dort um die Ecke und rein in die herrliche Bucht von Kato Katelios. Geschützt vor Wellen, den Anker auf 4m Sandgrund mit 45m Kette, da berührten uns die 5-6 Beaufort NW nicht besonders. Wir hatten einen gemütlichen Aufenthalt und konnten den Torqeedo abermals am Dinghi testen. Zu diesem Aussenborder werde ich aber einen eigenen Erfahrungsbericht verfassen.

Kato Katelios muss irgendeine Kraftquelle haben, hier schlafe ich immer besonders gut. Die folgende 10Nm nach Zakytnhos Nord  waren ab der Hälfte zum Segeln. Kurz vor den Blue Caves mussten wir bereits reffen und der prognostizierte Starkwind kam wie vorhergesagt. Wir fuhren deshalb direkt nach Ag. Nikolaios, denn die Shipwreckbay war bei 5-6 Bft NW kein guter Törn. Ich hatte Dimitros bereits angerufen und wir konnten eine freie Mooringleine von ihm benützen. In Ag. Nikolaios war einiges los, nach und nach war der gesamte Kai belegt. Der Wind war in der Bucht etwas weniger, aber außerhalb nach wie vor sehr stark. Die Ausflugsschiffe fuhren nur mehr bis zu den Blue Caves. Also nahmen wir uns ein Taxi und ließen uns zur Shipwreckbay fahren um den Anblick von oben zu genießen. Den Tagesabschluss hatten wir natürlich in der Taverne von Dimitros.

Auch am nächsten Tag wurde die Shipwreckbay noch nicht angefahren. Aber wir mussten sowieso bereits nach Zante und rauschten bei 3-4Bft achterlichem Wind nach Südosten. Beim Anlegen in der „Marina Zakynthos“ dann wieder eine ärgerliche Situation mit Alex. Ich bin bereit die 15€ pro Nacht zu zahlen (bei der Portpolice wäre es billiger), weil ich mir denke, dass die Burschen vom Yachtservice dort für (Liege)Ordnung sorgen und auch auf die Schiffe schauen. Alex wollte jedoch wieder (wie vor zwei Jahren) die „einmalige Hafeneintrittsgebühr“ von uns kassieren, hat aber schnell kleinbei gegeben, nachdem ich ihm die Situation erklärt habe. Er wird mich in Zukunft sicher nicht mehr damit belästigen….

Peter und Franz flogen bereits am nächsten Tag nach Hause. Walter und ich fuhren noch für eine Nacht in die große Südbucht, wo wir in Porto Keri den Anker fallen ließen. Die Begrenzungsbojen liegen dort ca 400m vor dem Strand, doch die Wassertiefe von unter 10m und der gut haltende Sandboden geben auch in dieser Entfernung besten Halt.

Nach diesem kurzen Törn gings wieder zurück nach Zante, wo Walter nach Hause flog. Mit der selben Maschine kamen Herbert und Stefan und es ging abermals weiter.

Die Wetterbedingungen hatten sich leider etwas verschlechtert. Weil wir nicht drei Tage fest sitzen wollten, startete wir gleich am nächsten Tag nach Argostoli. Bereits kurz nach der Hafenausfahrt hieß es Segel rauf. Zuerst mit halbem Wind (NO 3-4) und erstem Reff im Groß Richtung Kefalonia – etwas außerhalb begann es bereits heftiger zu werden und wir mussten sowohl Genua und Groß stark verkleinern um die Kränkung im Zaum zu halten. Fortan hatten wir 5-7Bft NO, Wellen von 1-3m, teilweise Salzwasserduschen, aber auch eine permanenten Geschwindigkeit von 6-7 Knoten. Eine resche Fahrt, die ruhig etwas zahmer hätte sein können. In der Landabdeckung von Kefalonia wurden die Wellen jedoch kleiner und die Fahrt etwas ruhiger. Für den ersten Segeltag meiner Freunde war es ganz schön ruppig.

Wir legten in der mir gut bekannten verlassenen Marina gegenüber von Argostoli längsseits an. Alles okay. Der nächste Tag war sonnig aber immer wieder mit kräftigen Böen aus NO. Wir wollten aber eine Ortsveränderung und fuhren so den kurzen Schlag hinüber nach Lixouri. Hier lagen außer uns nur zwei Segler, wir konnten uns den Platz aussuchen. 40m Kette auf 5m sollten eigentlich reichen. Der Anker hielt und wir machten uns einen netten Nachmittag/Abend am Strand und im Dorf. Als wir nach dem Abendessen zum Schiff kamen hatte der Wind wieder aufgefrischt und Schwell stand in den Hafen. Die Schiffe lagen sehr unruhig und rissen an den Heckleinen. Der am Kai südlichst gelegene Segler hatte bereits nach einiger Zeit  ein Ankerproblem und stieß mit seinem Heck an den Hafenkai. Er verließ in den Hafen. Kurz vor Mitternacht bemerkte auch ich, dass es einen kleinen Ruck gegeben hatte und die Calsisto nur 50cm Abstand zur Mauer hatte. Der Anker hielt zwar offensichtlich wieder, das ständige Auf und Ab, sowie die Geräuschkulisse des permanent in die Wellen krachenden Hecks veranlassten uns auch zum Aufbruch. Und so fuhren wir bei Böen bis 6 Bft in die Dunkelheit, wieder hinüber zu „unserem“ Platz nach Argostoli. Glücklicherweise wurde der Wind deutlich weniger und das Anlegemanöver klappte klaglos. Es war eine gute Entscheidung, denn wir lagen nun ruhig und konnten noch einige Stunden entspanntes Schlafen genießen.

Da auch am nächsten Tag kräftiger NO Wind prognostiziert war mieteten wir uns ein Auto und sahen uns die Kefalonia von Land an. Zuerst nach Sami und Effimia, weiter nördlich bis Fiskardo und beim Zurückfahren in das malerische Dorf Assos. Das Wetter war für diesen Ausflug perfekt, es wurde eine interessante Fahrt, wobei wir natürlich überall die Häfen inspizierten. Fiskardo stach uns besonders ins Auge. Hier gab es permanentes Hafenkino, wir konnten uns kaum losreissen. Obwohl dieser Hafen bereits brechend voll war, fuhren immer wieder Boote in die Bucht und zogen ihre Kreise. Dazu noch nervöse Kapitäne von diversen Ausflugsschiffen, ich war froh nicht mit der Calisto hier zu sein. Assos hatte den vorjährigen Medicane voll überwunden, die Gassen waren wieder farbenfroh (dort gab es Überschwemmungen mit meterhohem Schutt) und im Hafen war auch alles unter Kontrolle.

In der Nacht war es ruhig, doch der Vormittag hielt zwei Gewitter bereit, die wir bei unserer Fahrt nach Ag. Nikolaios (Zakynthos NO) zum Glück nur streiften. Etwas Regen und leicht auffrischender Wind, mehr war nicht. In Ag. Nikolaios hielt Dimitros einen Liegeplatz mit Mooringleinen bereit, wir mussten keinen Anker legen. Der Nachmittag war sonnig und angenehm, am Kai gab es zum Abend hin noch immer einige freie Plätze.

Der nächste Tag brachte das Highlight dieses Törns. Bei strahlendem Sonnenschein und ruhiger See hatten wir eine traumhafte Fahrt zur Shipwreckbay und auch weiter südwärts die gesamte Westküste von Zakynthos entlang bis in die große Südbucht, nach Porto Keri. Wir ankerten im Nahebereich des kleinen Hafens und glitten nach einem Erfrischungsbad fast lautlos mit  unserem E-Dinghi zum Ufer. Das folgende Abendessen werden wir nicht mehr vergessen. Bereits in der Nacht entleerte Stefan seinen Magen mit lautem Rumoren und lag fortan darnieder. Mir ging es auch nicht viel besser, bei Herbert war noch alles ok.  Die Stimmung  bzw. unser Tatendrang war dadurch etwas gebremst, doch es war eh schon der vorletzte Tag für meine Crew. Also ganz easy in den Hafen von Zante, wo wir von Alex ganz nett empfangen wurden (das klappt jetzt 😉)

Wir konnten uns nur mehr zur gemeinsamen kleinen Wanderung hinauf zum Aussichtspunkt bei der Kirche aufraffen. Stefan ließ das Abendessen ausfallen und ging retour zur Calisto, ich folgte bald nach. Herbert kam später. In der Nacht wieder das bekannte Geräusch des sich entleerenden Magens – diesmal war es Herbert…

Das Ende dieses Törns hatten wir uns alle etwas anders vorgestellt. Wir waren aber dennoch sehr zufrieden und konnten auf eine abwechslungsreiche Woche zurück blicken.