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Schon seit frühester Jugend hat mich das Leben in der Natur interessiert. Gepaart mit dem Drang nach Reisen und Freiraum finde ich im Bootssport die idealen Voraussetzungen für die Umsetzung meiner Hobbys. Ich segle zwar seit meinem 15. Lebensjahr, habe mich aber nach und nach immer mehr dem Alpinismus zugewendet. Erst in den letzten Jahren trat das Wasser wieder in den Vordergrund.

Von Korfu nach Sizilien


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Auf nach Italien

Fritz kam wie geplant, wir blieben noch einen Tag und starteten am 1. Mai Richtung Norden. Zuerst zur Tankstelle bei der Gouvia Marina, dann weiter bis Othoni. Eine gemächliche Fahrt mit ein paar Segelmeilen im Norden von Korfu. In Othoni gingen wir im kleinen Hafen beim Steg längsseits (23€/N) spazierten noch etwas in der äußerst ruhigen und fast unbewohnten Ortschaft (eigentlich nur eine Häuseransammlung) herum. Es gab weder ein offenes Geschäft, oder ein Lokal. Also selbst kochen. Bei uns ist das so, ich kümmere mich ums Schiff, Fritz hat den Küchenbereich und erstellte mit den vorhanden Mitteln ein vorzügliches Abendessen.

Wir starteten im Morgengrauen bei stark bewölktem Himmel und angenehmen Segelwind. In der Nähe zog ein Gewitter vorbei, welches aber anscheinend eine Runde drehte, denn plötzlich waren wir mitten drinnen. Zum Glück aber eher harmlos und keine Starkwindböen. Zwei Stunden später scheinte die Sonne und wir fuhren bei guten Bedingungen nach Westen zum Stiefelabsatz. Gegen 16.00 Uhr trafen wir im Hafen von Santa Maria di Leuca ein und gingen gleich nach der Hafeneinfahrt als erster Segler rechts längsseits. Bis zum Abend kamen noch ein paar dazu. Die Hafenpolizei muss dort nicht kontaktiert werden. Eigentlich wollten wir in dieser Ortschaft ein paar Lebensmittel einkaufen, doch es hatte alles geschlossen. Erst als wir zum Abendessen gingen fanden wir einen kleinen offenen Lebensmittelladen. Ein Geschäft welches alle italienischen Klischees erfüllte – ein sehr guter Einstieg um das echte Italien kennen zu lernen.

Für den nächsten Tag hatte ich die gut 70NM lange Überfahrt nach Crotone, quer über den Golf von Taranto, geplant. Ich war etwas unschlüssig, doch der Wetterbericht schien so halbwegs zu passen. In der Früh konnte ich das aktuelle Internetwetter nicht checken denn alle meine Geräte hatten keine Verbindung, weiß auch nicht was da war. Jedenfalls entschied ich mich zu fahren. Gleich nach der Windabdeckung blies es mit 15-18Kn aus NW und es kam eine relativ hohe, aber lange Welle heran. Das passte soweit ganz gut. Allerdings wurde es von Stunde zu Stunde schlechter. Wind permanent um die 20 Kn (in Böen über 25) die Wellen höher und konfuser (durcheinander) und dann drehte die Richtung noch nach West, sodass ich ganz hart am Wind fahren musste um Richtung Crotone zu kommen. Die Calisto tat sich sehr schwer und die Wellen bremsten das Schiff fallweise so stark, dass ich etwas abfallen musste. Mit diesem Kurs wären wir weit an Crotone vorbei gefahren. Ich tat also etwas unseemännisches und nahm den Motor zur Unterstützung, womit wir den Kurs Richtung Crotone so halbwegs halten konnten. Fritz hatte sich in der Zwischenzeit in die Kajüte zurück gezogen und ich plagte mich heraußen mit den ständig wechselnden Windbedingungen. Segel zu groß – Segel zu klein, dicht holen – fieren, es war echt nicht lustig. Erst am Nachmittag wurde es zunehmend besser und die letzten drei Stunden konnten wir sogar sehr schön segeln. Wir trafen um 18.30 Uhr im Hafen Crotone ein legten bei der Marina Tricoli an (37€/N). Ein mühsamer Segeltag hatte nach 73NM ein angenehmes Ende gefunden. Wir aßen gleich am Boot und waren bald in den Kojen.

Am Morgen reinigte ich zuerst das Schiff vom Salz und noch am Vormittag gab es den ersten Stadtrundgang mit Einkauf am Markt. Erste Eindrücke vom echten Italien. Etwas sauberer als in Griechenland und auch alle sehr nett sowie bemüht. Unsere Italienischkenntnisse sind quasi nicht vorhanden und von den Italienern wird Englisch kaum gesprochen. Aber irgendwie geht es immer und wir lernen ständig dazu. Ich habe mir sogar eine Sprachapp herunter geladen, mal sehen wie es in ein paar Wochen aussieht.

Crotone (63.000 Einwohner) hat eine große Festungsmauer, dahinter eine typische italienische Altstadt mit Wäsche auf den Balkonen und Fenstern, aber natürlich auch Cafe`s und andere diverse Lokale. Gleich neben dem Hafen befindet sich ein weitläufiger sauberer Sandstrand mit einer langen Uferpromenade, wo wir am Abend vorzüglich speisten. Insgesamt ein netter Zwischenstopp.

Von Crotone hatten wir eine kurze Etappe rund ums Kap Rizzutto nach Le Castella. Dort gibt es eine kleine Marina (25€/N, sprechen nur italienisch) wo wir einen Liegeplatz erhielten. Ein sehr schöner Stopp mit einem Spaziergang zur alten Festung und dem angrenzenden Bilderbuchstrand. Es war Sonntag und rundherum tummelten sich die italienischen Touristen.

Am nächsten Morgen starteten wir sehr zeitig um die lange Etappe nach Roccella Ionica nicht allzu spät zu beenden. 46NM entlang der Küste, kein Segelwind (leichter Gegenwind), kühl und eher langweilig. Die Marina in Roccella ist ziemlich groß und sehr professionell geführt (50€/N). Dort blieben wir zwei Tage und  trafen hier erstmals Bootsbesatzungen die so wie wir unterwegs waren, allerdings in der Gegenrichtung. Das hatte für uns den Vorteil, dass wir ein paar aktuelle Infos bekamen, dafür half ich beim griechische eTepai.

Von der Marina führt ein 2,5km langer Promenadenweg in die Stadt, daneben ein sehr schöner Sandstrand. Die Temperaturen luden allerdings nicht zu einem Bad ein und zusätzlich rauschten die Wellen herein. An diesem Tag wäre eine Weiterfahrt sehr mühsam gewesen, denn es gab stärkeren Wind von Süden. An unserem Rasttag wanderten wir in der Stadt hinauf zum Burgturm, begutachteten alles von oben, tranken in unserm Stammcafe am Hauptplatz Cappuccino (je 1,5€!) und brachten insgesamt einige Km an Fußmarsch zusammen.

Tags darauf schienen die Bedingungen besser und wir setzten unseren Törn fort. Das Ziel war Reccio Calabria in der Straße von Messina mit der Marina QUEEN88 (60€/N). Es gab Bewölkung und praktisch keinen Wind allerdings noch etwas Wellen von Süden. Fritz holte die Angel hervor und eine Stunde später kam der erste Biss. Ein mächtiger Thunfisch hing am Haken. Fritz drillte ihn in einer Stunde bis zum Boot, dann entkam er – Haken verbogen. Ich war richtig froh, denn dieses 1m Ding wäre sowieso zu groß für uns gewesen. Kurze Zeit später schleppten wir einen neuen Köder nach. Nach einer Stunde kam der nächste Biss. Diesmal ein handlicheres Exemplar von einem Thunfisch. Wir holten ihn gemeinsam raus, ich betäubte ihn mit einem griechischen Schnaps und Fritz erledigte den Rest.

Es war eine lange Fahrt und erst am frühen Abend gelangten wir in die angepeilte Marina. Diesmal gab es frische Thuna-Steaks mit Gemüse als Abendessen. Ein königliches Mal.

In der Zwischenzeit hatte es bereits immer wieder zu regnen begonnen und es war kalt. Das änderte sich auch über die Nacht nicht. Wir tankten am Morgen noch bei den gegenüber liegenden Zapfsäulen, wo der Betreiber kurz nach einem Telefonanruf (Tel 0039 3471660959) erscheint. Dann gings die Straße von Messina weiter nordwärts – diesiges Wetter, immer wieder Regen, teilweise Nebel, kein Wind und die Strömung mit uns. Es hätte noch schlechter kommen können, wir trugen es mit Fassung. Bei der Ausfahrt im Norden kam dann der Wind und wir konnten Richtung Milazzo (Westen) noch etwas segeln.

Bei starker Bewölkung und immer wieder kleineren Regengüssen näherten wir uns dem Hafen Milazzo, wo wir in der bewachten Marina Del Nettuno (75€/N) sehr gut lagen.  Unsere teuerste Marina bis jetzt, es gibt aber kaum Alternativen. Erstmals in Sizilien! Eine sehr schöne Stadt, vor allem wenn man zur Burg hinauf geht. Ein COOP Supermarkt befindet sich auch in Hafennähe.

In der Nacht lagen wir sehr ruhig, manchmal prasselte noch immer Regen aufs Kajütdach. In der Früh war es aber bereits besser und wir starteten Richtung Liparische Inseln (Äolische Inseln). Es gab kühlen Wind bis 20Kn aus WNW. Wir mussten ganz hart am Wind segeln und 5NM vor Lipari hatten wir strammen Gegenwind.  Unser Ziel war die sehr gut geschützte Marina Pignatoro wo ich für zwei  Tage (40€/N) reserviert hatte.

Lipari empfing uns mit strahlender Sonne und angenehmen Temperaturen. Die Marina lag etwas außerhalb, aber beim kurzen Spaziergang in die Stadt gabs immer was zu sehen. Eine malerische Gegend mit einigen Wandermöglichkeiten. Am ersten Tag bestiegen wir noch den Monte Rosa auf der Halbinsel gleich hinter der Marina. Am zweiten Tag nahmen wir den Bus bis zum Observatorio wanderten auf den in der Nähe befindlichen Monte Guardia und gingen in einer Genussrunde hinunter bis in die Ortschaft Lipari, welche übrigens gar nicht so klein ist. Man könnte es hier noch länger aushalten, aber nach zwei Nächten setzten wir unseren Weg fort und fuhren die vier Meilen rüber nach Vulcano, wo wir in der westlichen Bucht (Ponente) vor Anker gingen. Gleich danach starteten wir zu unserer Vulkanbesteigung und hatten nach 1h15` den Gipfel erreicht. Eine sehr kurzweilige Wanderung mit einem ausgetretenen Pfad, wo ab dem Kraterrand die Schwefeldämpfe zu riechen (und auch zu sehen) sind. So direkt hatte ich einen Vulcan noch nie gesehen und war beeindruckt. Beim Abstieg rutschte Fritz leider bei einer steileren sandigen Stelle aus und kam zu Sturz, was ein paar lästige Abschürfungen zu Folge hatte. Zum Glück ist nicht mehr passiert – schnell kanns gehen. Unten in der Ortschaft gäbe es noch so ein Vulkanschlammloch zum „Baden“, doch das hatte leider geschlossen. Ansonsten hatten wir bald alles gesehen und begaben uns zurück zum Schiff. Wassertemperatur 18 Grad – sehr erfrischend.  Am Abend gabs nochmal Thuna-Steaks, welche wir genussvoll beim Sonnenuntergang verspeisten.

Die Nacht war trotz der Gesellschaft von 20 weiteren Schiffen sehr ruhig. Unsere kommende Etappe hatte 50NM, weshalb wir im Morgengrauen starteten. Leider ab es den prognostizierten Rückenwind nicht in der erforderlichen Stärke, weshalb wir die neun Stunden bis Cefalu nur 1h segeln konnten. Cefalu ist einer der malerischsten Orte an der Nordküste von Sizilien, wo wir 200m vor dem Strand halbwegs geschützt ankerten. Es hatte nun bereits auf über 20Kn aufgebriest, doch der Anker hielt sehr gut und wir begaben uns mit dem Dinghi zum Ufer um die Ortschaft zu erkunden.  Am Sandstrand herrschte emsiges Treiben und auch sonst war Cefalu sehr belebt. Rundherum eine Augenweide, genau so wie sich ein Mitteleuropäer Italien vorstellt.  Zudem gibt es gleich hinter dem Ort einen 268m hohen Aussichtsberg (La Rocca), welcher natürlich bestiegen werden musste, um die herrliche Gegend von oben zu sehen. Insgesamt ein echtes Highlight.

Wir hatten Glück, der Wind flaute ab, in der Nacht gab es kaum Schwell und auch die Weiterfahrt nach Palermo gestaltete sich ruhig. Wir trafen bereits gegen Mittag in der Marina Galizzi (75€/N!!!) ein. Diese liegt beim neu ausgebauten Hafenterminal und befindet sich quasi am Rand der Altstadt. Ich hatte mich für zwei Nächte eingebucht, denn Fritz flog am nächsten Tag nach Hause, und mir war es zu teuer für einen längeren Aufenthalt. Die Altstadt mit ihrem „Shabby Chic“ ist wirklich sehenswert. Irgendwie scheint jedes Haus renovierungsbedürftig, hat aber insgesamt Charme und es macht Spaß durch die Gassen zu schlendern. Am Abend pulsiert dann das Leben so richtig.

Nach zwei Tagen fuhr ich jedoch 30NM weiter bis Balestrate. Dort gab es eine Marine welche weniger als die Hälfte kostet, einen langen Sandstrand und eine fade Ortschaft hat. Hier wartete ich das Eintreffen meiner Cousine ab.