Westsardinien Törn


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Nach ein paar windigen Tagen wurde es ruhiger und ich startete meinen Törn nach Norden. Obwohl die Sonne schien, war es noch etwas frisch und außerhalb des Hafens benötigte ich eine Jacke. Endlich wieder unterwegs, die Saison 2026 hatte nun so richtig begonnen. Für den ersten Tag hatte ich jedoch lediglich 20NM geplant, und zwar die Westküste entlang bis zur Bucht von Buggeru, wo ich vor dem Dörfchen Portixeddu bei 4m Wassertiefe auf Sand vor Anker ging. Dort gab es nämlich gleich hinter der Ortschaft den Berg „Punta de Su Guardianu“ mit 478m, welchen ich am späten Nachmittag noch bestieg. Herrliches Wetter und traumhafte Aussicht motivierten mich zu einem sportlichen Aufstieg. Der Weg/Steig war jedoch nur mit kleinen „Steinmännchen“ gekennzeichnet und erforderte permanente Aufmerksamkeit. Gute zwei Stunden später befand ich mich wieder unten am Strand, bestieg mein Beiboot und paddelte retour zur Calisto. Ich kochte ein Buchtmenü, genehmigte mir ein Bierchen und begab mich bei Einbruch der Dunkelheit in meine Koje.

In der Nacht kam etwas Schwell in die Bucht, doch es war aushaltbar. Nach einem Morgenkaffee startete ich, holte den Anker ein und motorsegelte beim ersten Sonnenlicht weiter nach Norden. Ich hatte eine längere Etappe geplant. Mein Ziel war die mir bereits bekannte Ortschaft Bosa, wo ich nach etwa 10 Sunden und 52NM in der Marina bei der Flussmündung anlegte (21€/N). Diese Gegend hier ist sehr schön und ansprechend. Man liegt im Fluss, etwa 2km unterhalb von Bosa. Gleich hinter der Marina befindet sich eine Anhöhe mit einigen Sendern, welche ich in einer schönen Runde noch bestieg. Die Sonne stand bereits etwas tiefer und gab gutes Fotolicht. Die Aussicht war prächtig, auf der einen Seite das Meer und Richtung landeinwärts der mäandernde Fluss mit dem bunten Bosa. Mangels Restaurants in der Nähe gab es bei mir Tortellini und noch einen Absacker als krönenden Abschluss.

Eigentlich schlafe ich normalerweise nicht sehr lange, aber diesmal wurde ich erst gegen 07.00h wach. Das tägliche morgendliche Telefonat mit meiner Frau fand deshalb etwas später statt, sie hatte sich bereits gewundert, warum ich mich noch nicht gemeldet hatte. Etwas später spazierte ich in die Ortschaft Bosa, trank Cappuccino am Hauptplatz, kaufte etwas ein und ging entlang des Flusses wieder retour. Die kommende Etappe hatte lediglich 22NM und führte mich weiter nordwärts bis zur Marina Ser Mar in Alghero (35/N). Am Weg dorthin war kaum Wind und ich motorte gemütlich dahin. Plötzlich hörte ich ein eigenartiges blasendes Geräusch und entdeckte keine 50m neben mir einen Wal (Finnwal) welcher ganz gemächlich in wellenartiger Bewegung immer wieder auftauchte und ausblies. Ich war fasziniert, mein erster Wal in freier Wildbahn. Nach ein paar Minuten tauchte er ganz weg und verschwand. Kurze Zeit später kam Segelwind auf und ich segelte die letzten zwei Stunden bis zum Hafen von Alghero. Die Marina meldete sich per Funk und schickte mir einen Marinero im Schlauchboot, welcher mich zum Liegeplatz geleitete. Ich hatte für drei Tage gebucht und lag hier sehr ruhig, nahe des Zentrums.

Alghero hatte ich vom Vorjahr noch sehr gut in Erinnerung, vor allem der Altstadtbereich beim Hafen ist sehenswert und zieht beim Sonnenuntergang immer Scharen an Touristen an – auch jetzt in der Vorsaison. Man schlendert oben auf der Stadtmauer entlang, im Westen das Meer mit der untergehenden Sonne und auf der anderen Seite ein Lokal neben dem anderen. Ein Sundowner ist hier Pflicht. Die Preise sind natürlich etwas gehobener, aber aushaltbar. Zum Essen suchte ich mir immer andere Restaurants in der Nähe der Marina.

Für den nächsten Tag wollte ich mir ein Auto mieten und damit raus zum Capo Caccia fahren. Angesichts der Preise (mit Versicherung über 100€/Tag) habe ich mich für den öffentlichen Bus entschieden (2x 2,5€) und war sehr zufrieden damit. Beim Capo Caccia gibt es die berühmte „Grotta di Nettuno“, eine Tropfsteinhöhle, wo man über 600 Stufen hinuntergehen muss, um die mächtigen Tropfsteinhallen bewundern zu können (18€ Eintritt). Dieser Besuch zahlt sich aus und ist sehr sehenswert. In der Hauptsaison möchte ich hier allerdings nicht sein.

Den nächsten Tag hatte ich auch noch voll zur Verfügung. Ich ging zu Fuß die Küste entlang nach Fertilia. Das war eigentlich ein Weg auf der Rückseite der Stranddünen. Manchmal bin ich rauf und hab auf der anderen Seite den großartigen und derzeit fast menschenleeren Strand bewundert. Während im Bereich Alghero noch ein Bagger herumfuhr und das Seegras zusammenschob, war es je weiter nach Fertilia immer besser. Fertilia selbst ist nicht so besonders, es gibt allerdings eine kleine Marina mit einer Werft. Insgesamt 13km hin und retour. Am Rückweg nahm ich dann in Alghero bei einem Strandrestaurant ein Mittagessen zu mir. Schön langsam begann der Tourismus, die ersten Sonnenanbeter lagen dort bereits im Sand. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Ruhen, Einkaufen und am Abend wieder einen Sundowner oben bei der Stadtmauer.

Am kommenden Morgen startete ich bereits um 07.00h und fuhr bei fast Windstille aus dem Hafen. Es war allerdings sehr frisch und hatte nur knappe 10°. Doch die Sonne wärmte zwar bald, die Jacke benötigte ich trotzdem bis zum frühen Nachmittag an. Es lagen etwa 50 NM vor mir. Bis auf die letzten zwei Stunden durchgehend Motorsegeln. Der Wind war zu schwach. Ich sah zwischendurch mal Delfine, ansonsten verlief alles sehr ruhig. Im Bereich der Küste ist allerdings bis zum Bereich von 40-50m Tiefe immer Aufmerksamkeit gefragt, denn es gab ständig Fischerbojen. Meistens kleine Kanister die mit einem Seil am Netz, oder an der Reuse verbunden waren. Zweimal hab ich diese Dinger erst im letzten Moment gesehen und konnte die Calisto gerade noch vorbei steuern. Zusätzlich wurde meinen Ischiasnerv beim Dichtholen der Genua beleidigt. Ich hätte doch die Winsch nehmen und nicht mit purer Männerkraft werken sollen.  Leider halfen die Tabletten nicht so gut.

Mein Ziel war übrigens die Marina „Porto Touristiko Torre Grande“ (27€/N), wo ich um 16.30h eintraf. Ich wurde von einem Marinero im Schlauchboot in das Hafenbecken gelotst, denn es ist hier äußerst seicht. Der Tiefenmesser zeigte einmal lediglich 1,7m an. Die Marina ist ganz okay, liegt allerdings außerhalb der Ortschaft. Die Saison hatte hier noch nicht begonnen, es gab nur eine Cafeteria, wo ich mangels Milch keinen Cappuccino erhielt. Aufgrund meiner Kreuzschmerzen blieb ich beim Boot und kochte selbst. Die 2km entfernte Ortschaft habe ich nicht besucht.

Von meinen Freunden in Carloforte erhielt ich die Info, dass aktuell gerade ein Streetfood-Festival mit Musik am Laufen ist. Da es noch zwei Tage andauerte, fasste ich den Entschluss gleich nach Carloforte zu segeln und auch an diesem Tag ein 50NM Etappe auf mich zu nehmen. Ich startete abermals bereits um 07.00h und fuhr bei strahlendem Wetter südwärts. Auch diesmal wieder mit Motorsegeln. Der Wind passte zwar, war aber leider etwas zu schwach. Beim Studium der Küstenlinie hatte ich etwa 10NM nördlich von Carloforte die Bucht Masua mit der steilen Felsinsel „Pan di Zuccero“ entdeckt. Dieser 133m hohe Felsmugl gilt als der höchste Kalksteinfelsen im Mittelmeer konnte über einen Klettersteig (B/C) bestiegen werden. Das war noch ein Ziel, welches ich im Vorbeifahren mitnehmen konnte.

Die Bedingungen passten und so setzte ich etwa 100m westlich der Insel bei 18m Wassertiefe (Sandgrund) meinen Anker, und paddelte mit dem Beiboot zum Einstieg, welcher direkt beim Wasser war. Zum Glück gab es dort eine kleine Fläche wo man stehen konnte. Zusätzlich zog ich das Beiboot aus dem Wasser und befestigte es bei den ersten Ringen des Klettersteiges (B/C). Danach kletterte ich vergnügt empor. Es gab ein durchgehendes Stahlseil und machte echt Spaß die steilen Rampen empor zu turnen. Das tiefblaue Meer unter meinen Füßen und Mövengeträllere als Musikbegleitung. Die Bedingungen waren perfekt und ¼ Stunde später befand ich mich schon auf dem Plateau. Von der Kante weg ging es nochmals 10 Minuten bis zum Gipfel. Ein schöner Rundumblick, ein paar Fotos und wieder retour. Alles in allem vom Boot zum Gipfel und zurück eine knappe Stunde. Eigentlich hätte ich bei diesem Ankerplatz eine Übernachtung überlegt, doch es kam ständig Schwell, die Calisto lag unruhig und vom Festival in Carloforte wollte ich ja auch etwas sehen. Ich fuhr also weiter, musste einem Fischerbojen-Wirrwarr ausweichen und kam gegen 17.30h bei der Maria Sifredi an (Alghero hin und retour – 7 Tage mit 192NM)

Meine Freunde reichten mir die Mooringleine, und eine Stunde später ging es bereits zum Veranstaltungsgelände. Die Kaistraße von Carloforte war gesperrt und die dortige Bühne bereit für den Auftritt von „Baby K“. Das Ganze garniert mit vielen Verkaufsständen und dem Duft der verschiedenen kulinarischen Genüsse. Es wurde ein vergnüglicher Abend. Ich blieb bis zum Beginn des Popkonzerts, hörte mir die ersten drei Nummern an und verzog mich in meine Kajüte. Mein Liegeplatz im kleinen Hafen war ja etwas weiter weg, sodass mich die laute Musik nicht störte.