Von Sardinien zu den Balearen und weiter zum spanischen Festland


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Sommertörn nach Spanien

Ende Mai kam ich retour nach Carloforte, wo soeben das „GIRO TONNO“ Festival statt fand. Dementsprechend war ganz schön viel los. Vor allem entlang der Hafenstraße herrschte Kirchtagstimmung und am Abend gabs auf der Hauptbühne ein Popkonzert. Ich lauschte hier den Klängen von „Rocco Hunt“ (Musica Italiana), einem in Italien sehr bekannten Musiker.

Auf der Calisto hatte ich aber auch noch ein paar Dinge zu erledigen. Ich tauschte beim Motor den vorderen Kühlerschlauch, damit sich endlich dieses Tropfen bei der Verbindung zur Pumpe eindämmen lässt. Und so nebenbei musste ich noch einkaufen und meine Überfahrt nach Menorca vorbereiten.

Mein Plan war übrigens bis Mitte Juli bis zum spanischen Festland zu gelangen, wo ich die Calisto nördlich von Valencia, in der Marina Burriananova, für zwei Monate einparken werde.

Zwei Tage nach Ankunft nutzte ich ein halbwegs passendes Wetterfenster und verließ Carloforte nach einem Jahr Richtung Westen. Vorerst mal nur auf die andere Inselseite in die Bucht La Calletta, wo ich bis zum Sonnenuntergang vor Anker ging. Ich musste nämlich noch das Unterwasserschiff etwas putzen, denn beim Herausheben Anfang April konnte der Bereich mit den Krangurten nicht gereinigt werden. Das Wasser hatte bereits angenehme 25°, aber nach etwa 10x runter tauchen wurde mir etwas unwohl und ich beendete diese Tortour, war aber mit der Arbeit bereits ziemlich fertig. Eigentlich wollte ich Abendessen, etwas schlafen und um Mitternacht Richtung Menorca aufbrechen. Doch ich war anscheinend zu nervös, denn ich verspürte keine Müdigkeit. Also gabs beim Sonnuntergang „Anker auf“ und ab Richtung Balearen. Der Wind war leider nicht optimal, denn er kam mit etwa 8-10KN von schräg vorne, also gab es Motorsegeln, hart am Wind. Die Nacht verlief jedoch ruhig und halbwegs angenehm. Ich hatte alle Helfer aktiviert und verließ mich mehr oder weniger voll auf die Warnungen von Radar und AIS. Da die Temperatur ganz ok war, richtete ich es mir heraussen gemütlich her und schlief sogar die eine oder andere Stunde. Inzwischen habe ich ja schon etwas Erfahrung mit den solo-Nachtfahrten und es klappt so ganz gut. Der kommende Tag verlief ebenfalls ereignislos. Es kamen zwischendurch lange, etwas größere Wellen daher, obwohl der Wind nach wie vor sehr schwach war. Mit meinem Garmin Inreach hielt ich Kontakt zu meiner Frau, ansonsten gabs nichts Aufregendes. Schön langsam gings in die zweite Nacht, wo ich ab etwa 02.00h endlich den Motor abstellen und nur mit Segel alleine fahren konnte. Es gab SO-Wind mit etwa 10-13Kn und ich düste mit etwa 5Kn durchs Wasser. Der Morgen kam mit einem tollen Sonnenaufgang, es ging nach wie vor ganz angenehm unter Segel dahin. Vereinzelt sah ich auch ein paar Schiffe am Horizont, aber insgesamt war es nach wie vor sehr ruhig. Am späten Vormittag kam erstmals die Kontur von Menorca in Sicht. Da es im Osten eine ziemlich flache Insel ist, sieht man das Land sehr spät. Kurz nach Mittag lag die gewaltige Einfahrt in die Bucht von Mahon vor mir. Rechts (nördlich) befindet sich die beeindruckende Festung Malo und Eigentlich noch im Einfahrtsbereich geht es gleich schräg rechts in die einzige Ankerbucht dieser Gegend – Cala Teulera. Hier wollte ich erst mal ankommen und setzte im Kreise von etwa 20 anderen Schiffen, nach knapp 200NM und 38h Fahrt, gegen 14.00h meinen Anker. Ein sehr schöner Platz, gleich am Fuße der Festung Mola. Die einzige Herausforderung lag darin, dass bei der Ankunft noch immer SO-Wind herrschte und bereits für die kommende Nacht eine Winddrehung auf Nord mit Böen bis 30KN prognostiziert war. Wie also den Anker einfahren? Ich versuchte einen Mittelweg, setzte den Anker etwa in Ost und hoffte, dass er auch den N-Wind aushalten wird. Gleich vorweg, es klappte.

Zuerst war aber etwas Ausruhen angesagt, am Abend dann kochen und wieder Ausruhen. Angesichts des aufbrisenden Windes aus Nord lag ich aber eher „stand by“, denn es pfiff ganz schön. Die Calisto pendelte hin und her, doch der Anker hielt. Irgendwann beruhigte sich meine Anspannung. Der kommende Tag war ebenfalls von Böen bis 30KN geprägt. Ich blieb die gesamte Zeit am Schiff, erledigte Schreibarbeiten, surfte im Internet, kochte, usw. Am Abend schlief der Wind ein. Die zweite Nacht war so ruhig, dass ich das Gefühl hatte am Festland zu schlafen.

Nach diesen zwei Nächten vor Anker fuhr ich etwa 2NM weiter in die sehr lange und anfangs schmale Bucht von Mahon, bis zur Marina „Port de Llevant“. Hier hatte ich für 8 Tage (50/N) reserviert und wartete die Zeit bis zum Eintreffen meiner Frau und unserer Freundin ab. Diese Marina liegt sehr zentral am Fuß der beginnenden Altstadt. Ich buchte nach Kontaktaufnahme über E-Mail. Die vorher befindliche größere Marina hatte mich abgelehnt, anscheinend war die Calisto zu klein….

Ich mietete ein MTB, ging größere Runden auf Erkundung und vollendete die ersten Tage meine Schreibarbeiten. Die MTB Touren führten mich in den Südosten, zu Festung Mola, und in den Bereich nördlich von Mahon bis hinauf zur Küste in den Bereich Es Grau. Einkaufsfahrten brachte mich zum Lidl, zu einem großen Marineausrüster, sowie zum „Hiper Xines“ – einer riesigen Chinakrimskramshalle.

Andrea und Martina kamen am Mittwoch Abend auf die Calisto, die Zeit der Einsamkeit war nun vorbei. Eigentlich hätten wir nach einem Eingewöhnungstag Richtung Nordküste starten wollen, doch es gab nach wie vor noch kräftigen NW-Wind und es wäre äußerst ungemütlich geworden. Also verlängerte ich den Marinaaufenthalt um einen Tag und mietete ein Auto (50€ über Internet, ansonsten über 100 mit Versicherung…) Wir nutzten diesen zusätzlichen Landtag für eine kleine Rundfahrt zum höchsten Berg „El Toro“ (362m), fuhren in das Küstendorf Fornells, und in die Bucht von Es Grau. In Fornells vergönnten wir uns den berühmten Langusteneintopf „Caldereta de Langosta“ und in Es Grau testeten wir den Strand. Insgesamt eine nette Runde im Osten von Menorca.

Nächsten Tag hatte sich der Wind beruhigt und wir starteten am späten Vormittag Richtung Südküste. Zuerst die beeindruckende Bucht von Mao hinaus aufs offene Meer, dann südwärts bis zum Leuchtturm von Punta Prima und von dort nach Westen bis zur Bucht von Cala de Trebaluga. Es gab großteils guten Segelwind ohne Wellen, eine gemütliche Fahrt. Je weiter wir nach Westen kamen, desto weniger war die Küste verbaut und im Bereich zu „unserer“ Bucht gab es Natur pur. Wie erwartet ankerten jedoch schon einige Segler und Motorjachten in dieser Cala. Wir nahmen deshalb einen Platz ziemlich heraussen, was aber ok war, denn es gab nur kleine Wellen die nicht sonderlich störten. Einsame Buchten wird es hier auf den Balearen ab der Vorsaison wahrscheinlich sowieso nie geben. Jedenfalls lagen wir auf etwa 10m über Sand im türkisen Wasser, in einer sehr schönen Umgebung.  Es gab ein vorzügliches Buchtmenü und endlich mal Abhängen ohne irgendwo hingehen zu müssen. Es wurde eine ruhige Nacht.

Am nächsten Morgen hatten wir keinen Stress, denn unsere Etappe nach Ciutadella war nur ca 15NM lang. Wir fuhren deshalb zuvor mit dem Beiboot zum Strand und erfreuten uns an Sonne Sand und Meer. Ich ließ meine Drohne kurz steigen, machte ein paar Bilder und es ging wieder zurück zur Calisto. Kurze Zeit später lichteten wir den Anker und motorsegelten Richtung ca 10NM Westen. Dann noch 5NM nordwärts und wir fuhren in die sehenswerte lange Hafenbucht von Ciutadella. Hier hatte ich erstmals mit der „PortsIB“ Plattform gebucht und für zwei Nächte reserviert. PortsIB ist ein Zusammenschluss von einigen öffentlichen Häfen und Bojenfelder, wo den nautischen Touristen relativ günstige Liegeplätze zur Verfügung gestellt werden. Maximal 5 Tage bei den Häfen und max. 3 Tage bei den Bojen. Ich zahlte in Ciutadella 43/N ai. Der Hafen liegt sehr zentral, und ist etwa 10 Minuten vom Zentrum entfernt. Im Vergleich zu Mahon sieht man hier mehr historische Bauten und auch mehr Touristen. Der kommende Tag war dann Stadtbesichtigung, Einkauf und Relaxen gewidmet. Es gefiel uns sehr gut, bis auf den Umstand, dass kein Strand in der Nähe war. Die Temperaturen kletterten nämlich Tag für Tag etwas höher.

Von Ciutadella gings dann 24NM hinüber nach Mallorca. Wir hatten Wetterglück und segelten/motorsegelten die ganze Strecke bei moderaten Bedingungen. Als Ziel wählten wir die kleine Bucht „Cala Molto“ nördlich von Cala Ratjada, ganz im Nordosten von Mallorca. Eine echte Bilderbuchbucht mit Sandgrund, türkisblauem Wasser und einen 250m Aussichtsberg, den Martina und ich am nächsten Morgen bestiegen. Der Einstieg war bereits ganz gut, mal sehen wie es sich dann Richtung Juli hin entwickelt.

Die kommende Etappe zeigte sich ebenfalls zahm, war aber nur 15NM lang und ging zur Bucht Cala Mata. Relaxen, schwimmen, gemeinsam kochen – sehr idyllisch. Unsere letzte gemeinsame Ankernacht. Von dort gings mit super Segelwind 15NM bis zum nördlichsten Hafen von Mallorca – nach Porto Pollenca. Wieder ein PortsIB Hafen wo ich reserviert hatte. Hier waren wir nun so richtig in Mallorca angelangt. Gleich neben dem Hafen war der Strand und an der Strandpromenade reihten sich Geschäfte, Bars und Restaurants aneinander. Es wirke aber nicht aufdringlich und gefiel uns. Die letzten Stunden für Andrea und Martina, ein gemeinsames Abendessen ein paar Stunden Schlaf und um 06.15h klingelte bereits der Wecker. Das reservierte Taxi kam pünktlich, und meine Damen kamen gut gegen Mittag zu Hause an.

Ich nutzte den Tag für einen Ausflug nach Alcudia, putzte das Schiff und bereitete alles für meine Freunde Peter und Franz vor, welche am späteren Abend auf die Calisto kamen.

Am kommenden Vormittag besuchten wir einen Supermarkt und bunkerten Lebensmittel sowie Wasser, damit wir für den folgenden Törn gerüstet waren. Die erste Etappe ging aber lediglich um das Kap Formentera herum auf die Nordseite von Mallorca und weiter bis zur traumhaften Bucht von Cala San Vincent. Türkisblaues Wasser und Sandgrund, dazu noch ausreichend Platz und ruhiges Wetter – ein toller Beginn. Wir verbrachten einen Badenachmittag und eine ruhige Nacht, bevor es in der aufgehenden Sonne an Land ging. Dort hatten wir den nahen „Sa Talaia Vella“ 353m, als Gipfel ausgewählt. Eine nette Tour mit ein paar Felspassagen ganz oben.

Danach setzten wir unseren Weg nach Port Soller fort. Eine ruhige Fahrt entlang der wilden Nordküste. In Port Soller hatte ich für zwei Tage bei PortsIB reserviert (43/N ai). Zwei kleine Wanderungen, die berühmte Straßenbahnfahrt hinauf nach Soller und diverse Lokalbesuche standen auf dem Programm. Eine sehenswerte Gegend mit einem gut geschützten Hafen.

Nach diesem schönen Aufenthalt gings die gesamte Küste Richtung  SW weiter, um das Kap herum und zum Bojenfeld von Sant Elm. Bis zum Kap gab es praktisch keinen Wind, danach blies es doch bis 15Kn und bei der Boje half uns der Marinero beim Festmachen. Ich hatte übersehen, dass die Boje erst ab 18.30h belegt werden darf, weshalb wir für die verbleibenden 4h zusätzlich 32€ (+36€) zahlen mussten. Angesichts des reschen Nachmittagswindes zahlten wir zähneknirschend…

Ansonsten war es ganz nett dort. Wir wanderten nächsten Tag abermals auf einen nahen Gipfel (Puig de Fanneta 334m) blieben bis 17.00h an der Boje und segelten danach nur um die Ecke in die Bucht Cala dèn Tio. Eingerahmt von steilen Felsen setzten wir im türkisen Wasser unseren Anker auf 12m in den Sand. Wiederum ein sehr ansprechender Platz, allerdings ziemlich offen und dem Schwell der vorbei fahrenden Schiffe ausgesetzt. Zum Schnorcheln und Schwimmen ein Traum, garniert mit einem tollen Sonnenuntergang und einem vorzüglichen Buchtmenü von Franz.

Tags darauf starteten wir bereits um 07.30h und fuhren in den Hafen Andratx zum Tanken. Von dort gings weiter in die Bucht von Camp de Mar. Abermals ein toller Platz. Es gab zwar jede Menge an Hotels rundherum, wir lagen aber super und nutzten den Aufenthalt wieder für eine Morgenwanderung am nächsten Tag.

Als nächstes Ziel hatten wir die Bucht von Peguera ausgewählt. Wir wunderten uns schon, dass dort nur ein Segler vor Anker lag. Als mittags der Südwind aufkam, wussten wir warum. Es wurde ungemütlich und wir wechselten in die Bucht von Santa Ponca. Ein großzügiger und gut geschützter Ankerplatz. Hier blieben wir zwei Nächte, mieteten ein Auto und bestiegen den „Puig de Galatzo“ 1026m. Eine richtige Berg(rund)tour  die uns in der Hitze ziemlich ins Schwitzen brachte.

Nach einer kleinen Morgenwanderung zu den Morisca Ausgrabungen auf dem Hügel gleich bei der Ortschaft hatten wir unsere letzte Etappe in die Marina des „Royal Nautic Club Palma“ wo ich für zwei Tage reserviert hatte. Mit 110€/N ai meine teuerste Marina bis jetzt. Allerdings auch ein toller Platz. Wir lagen 20m vom Swimmingpool entfernt, was angesichts der Temperaturen von 36/37° sehr angenehm war. Es gab top Sanitäranlagen und eine gut ausgestattete Kraftkammer wäre auch dabei gewesen, und das alles gleich beim Zentrum der Stadt. Der nächste gut ausgestattete Supermarkt war etwas mehr als 1km entfernt.

Ich hatte hier den Crewwechsel geplant. Am Abend kamen zwei Cousinen und meine zwei Freunde fuhren am nächsten Tag zum Flughafen. Es blieb noch Zeit für einen ausgiebigen Einkauf, etwas Sightseeing am Abend, bevor es nach einer ruhigen Nacht weiter Richtung Südosten von Mallorca ging. Karin und Ingrid befanden sich das erste Mal auf der Calisto und mussten sich noch etwas eingewöhnen. Es klappte aber sehr gut und der Wind war auch gnädig mit uns. Großteils unter Segel bei maximal 12Kn SO fuhren wir Richtung Colonia de Sant Jordi und ankerten nach 26NM in der ziemlich offenen Bucht von Platja es Carbo. Es ist hier nicht ganz einfach einen guten Grund zu finden, denn der gesamte Bereich ist felsig mit einige Sandflecken. Es war aber eine ruhige Nacht prognostiziert und unser Aufenthalt dementsprechend entspannt. Schwimmen, Buchtmenü, lesen, Karten spielen und bald nach Sonnenuntergang in die Koje.

Der Morgen war spiegelglatt, ich ließ die Drohne fliegen und bald waren wir wieder unterwegs. Es ging 23NM bis zur sehenswerten Bucht von Calo Blanc. Hier gibt es eine Tropfsteinhöhle und dementsprechend war dieser Platz sehr gut besucht. Durch den SO-Wind kam aber leider etwas Schwell in die Bucht und zusätzlich wurde trieb es diversen Müll in das türkisblaue Wasser. Ingrid wollte etwas kochen und bereits 10 Minuten später hatte sie die Seekrankheit erfasst, bzw war ihr durch die Schaukelei ziemlich schlecht geworden. Das trübte den dortigen Aufenthalt etwas, denn wir hatten uns einen netten Tagesausklang vorgestellt. Entgegen der vorherigen Nacht beruhigte sich der Schwell leider nicht und zusätzlich drehte der in der Nacht Wind auf Nord, was die Calisto parallel zu den Wellen stellte…. es kam das „Pendeluhrfeeling“.

Ziemlich geschlaucht setzten wir unseren Weg nächsten Morgen bis zum nahen Porto Christo fort. Dort gibt es eine geschlungen längliche Hafenbucht, wo der Schwell gleich weg war. Zusätzlich fanden wir sehr leicht einen Ankerplatz, denn wir mussten bis 12.00 Uhr warten, bis wir unseren PortsIB Liegeplatz ansteuern durften. Wenn ich gewusst hätte, dass es hier gut zum Ankern und auch genug freier Platz ist, dann wäre ich bereits am vorherigen Abend gekommen….

In Anbetracht des prognostizierten heftigeren Windes hatten wir für zwei Tage gebucht (43/N ai) und konnten die Gegend erkunden. Gleich neben dem Hafen gab es einen gut besuchten Sandstrand, oberhalb vom Kai die Stadt mit ihren Lokalen und Geschäften. Wir fühlten uns wohl. Ich konnte meine Damen auch zu einer Wanderung animieren, wir marschierten entlang der Steilküste und sahen so auch noch ein paar andere Buchten.

Am dritten Tag hatte der Wind bereits so nachgelassen, dass wir unseren Weg nach Norden fortsetzten. Es gab teilweise noch Restschwell und manchmal kamen noch stärkere Böen. Bei der sehr schönen Bucht von Canyamel stoppten wir für ein Bad im türkisblauen Meer und ein paar Meilen weiter hatten wir den Hafen von Cala Ratjada erreicht. Abermals ein angenehmer Hafen (43/N ai) wo ich für drei Tage reserviert hatte. Auch hier gab es (wie auch in Porto Christo) noch einige freie Plätze, was mich sehr verwunderte. Segler sind hier übrigens in der Minderheit, der Großteil ist mit Motorbooten(Yachten) unterwegs.

Cala Ratjada empfing uns mit einem Festival, wo gleich in der Nähe die Bühne aufgebaut war. Es wurde also nicht fad. Für Karin und Ingrid gab es jede Menge an Geschäften, ich wanderte zum Leuchtturm und am nächsten Tag zum Castell de Capdepera. Der Badestrand ist hier allerdings etwas weiter entfernt.

Nach zwei kurzweiligen Tagen ging es für Karin und Ingrid wieder nach Hause (Taxi zum Flughafen 100€) und mein alter Spezi Klaus kam auf die Calisto.

Nachdem ich Mallorca nun umrundet hatte und Klaus noch nie auf Menorca war, entschieden wir spontan nochmals nach Menorca zu segeln und nach einem Tag Aufenthalt in einem Zug hinunter nach Formentera zu fahren.

Die Überfahrt nach Menorca (45NM) war fast durchgehendes Motorsegeln – sehr entspannt und ohne Wellen. Wir stoppten bei der Punta Prima für einen kurzen Sprung ins türkise Wasser und trafen gegen 17.00h in Mahon ein. Diesmal hatte ich einen Platz beim Schwimmponton in der Buchtmitte, gegenüber der Altstadt, reserviert (62/N ai) – ansonsten gab es keine freien Plätze. Es gefiel uns aber sehr gut, wir hatten Rundumsicht und konnten dort auch ins Wasser springen. Man musste allerdings mit dem Beiboot an Land fahren. Wir blieben zwei Nächte, wobei Klaus die Stadt besichtigte und ich zum etwas außerhalb befindlichen Marineshop wanderte um dort den abhanden gekommenen Flachfender zu ersetzen. Es war ein angenehmer Aufenthalt.

Am Abreisetag verproviantierten wir uns noch, tankten die Calisto voll und starteten gegen 11.00h von Mahon in Richtung Formentera. Gute 150NM lagen vor uns. Abermals ein kurzer Badestopp bei der Punta Prima und dann rüber an die Ostküste von Mallorca, diese in gebührendem Abstand in der Nacht entlang. Bei der Morgendämmerung befanden wir uns im Bereich des Südkaps, bzw der kleinen Insel Cabrera. Von dort dann noch ½ Tag, bis wir gegen 19.00h, nach insgesamt 32h  an der Ostküste von Formentera eintrafen. Es war eine ruhige Überfahrt mit etwas zu wenig Wind, der Motor lief ständig mit. Wir ankerten in der Bucht von Es Calo, wobei in der Nacht der Wind drehte und am Morgen Schwell herein kam. Also rüber auf die Westseite, denn es waren auch zwei Tage mit etwas stärkerem NO-Wind prognostiziert. Wir motorsegelten um das Formentera SO-Kap, fuhren bei böigem Wind nordwärts und ankerten in der stark besuchten Bucht von Cala Saona. Nun waren wir wirklich in der Hauptsaison angelangt. Es war echt viel los hier und erst nach 18.00 Uhr wagte ich die Calisto für eine größere Schwimmrunde zu verlassen. Das Wasser hatte an die 30 Grad, war aber klar und die Gegend auch ganz nett. Leider hat mich dann kurz vor der Calisto ein Qualle gestreift, welche sich aber als relativ harmlos entpuppte. Es hat nur ähnlich einer Brennnessel gebrannt, ansonsten war zum Glück nichts. Diese Tierchen schwammen ab und zu im Wasser, nicht sehr viele aber doch lästig.

Die Nacht war angenehm und der Morgen etwas diesig. Wir nahmen das Beiboot, fuhren zum nahen Strand und wanderten 4km in den Hauptort von Formentera. Staubige Schotterstraßen und Wege, erst auf dem letzten Teil kamen Asphaltstraßen. Das Zentrum von Sant Francesc de Formentera entpuppte sich als sehr gepflegt, mit einigen Geschäften und Lokalen. Ansonsten gab es außer trockener Natur kaum etwas zum Sehen. Wir nahmen einen Kaffee mit Croissant zu uns und gingen wieder retour. 10km insgesamt, eine nette Morgenwanderung. Danach retour zur Calisto und weiter die Küste entlang zu den tollen Stränden im Nordosten der Insel. Hier kam die größte Enttäuschung des gesamten Törns. Es gab zwar genug Platz zum Ankern, aber der permanente Schwell trübte alles. Ständig fuhren irgendwelche Motoryachten, Jetski, Mietmotorboote etc herum, sodass es keine Ruhe gab. Wir setzten zwar kurz den Anker, fuhren aber 10 Minuten später entnervt Richtung Ibiza südwest weiter. Nach einer Meile wurde es bereits ruhiger und wir konnten sogar etwas segeln. Als Ziel hatten wir die Bucht Cala d`Hort ausgewählt, welche gegenüber der malerischen Felsinseln „Isla de Vedra“ lagen. Hier war das Ankerfeld zwar auch gut besucht, wir fanden aber Platz und konnten einen ruhigen Nachmittag, sowie eine angenehme Nacht verbringen.

Am Morgen lag Dunst über der Bucht, die Calisto war taunass, doch bald kam die Sonne und ich ließ meine Drohne eine Runde drehen. Danach gings weiter nach San Antoni de Portmany wo ich bei PortsIB einen Liegeplatz für eine Nacht ergattern konnte. Viel Zeit blieb nicht, denn wir nahmen einen Bus und fuhren rüber nach Osten zum Hauptort Ibiza. Die Gegend zeigte vorerst keine Besonderheiten. In der Altstadt beim Hafen, sowie auf und rund um die Festung war es jedoch äußerst sehenswert und auch ziemlich teuer. Eine Kugel Eis um 5€ ist wahrlich kein Schnäppchen… Zum Abendessen befanden wir uns bereits wieder in San Antoni und beobachteten das Treiben der ausschwärmenden Nachtvögel. Gleich neben unserem Restaurant befand sich der Taxistandplatz und dort staute sich das angehende Partyvolk. So eine Dichte an knapp bekleideten jungen Damen hatten wir vorher noch nirgends gesehen (und auch danach nicht mehr).

Bei uns am Ponton blieb es jedoch ruhig und gut ausgeschlafen drehten wir in der Früh eine Laufrunde an der Küste. Zu Mittag setzten wir unseren Weg fort. Zuerst in die Bucht Cala Bassa, wo wir bis zum Abend vor Anker blieben. Im Licht der untergehenden Sonne hieß es Anker auf und weiter Richtung Westen. Wir hatten eine Nachtfahrt zum spanischen Festland geplant und kamen dort am nächsten Vormittag ziemlich gerädert in der Marina Denia (54/N a.i.) an. Es gab nämlich permanent wechselnde Bedingungen und ich kam kaum zum Schlafen. Die kleine Stadt Denia liegt sehr malerisch am Fuß des über 700m hohen Montgo. Wir besichtigten es mit einigen Drinkstopps in der Nachmittagshitze. Eine nette Altstadt mit einer Festung auf dem Hügel.

Nächsten Tag starteten wir zeitig um die längere Etappe nach Valencia noch vor dem Nachmittagsgegenwind zu erreichen. Leider hatten wir trotzdem mindestens die Hälfte der 45NM kräftige Böen und Wellen gegenan, sodass es etwas mühsam war. Dafür lagen wir in der Marina Valencia Mar (24/N ai) sehr gut. Diesen Liegeplatz reservierte ich erst während der Fahrt, denn eigentlich hätten wir die Marina im Norden des Hafens geplant, doch von dort gab es  keine Antwort. War aber eh besser so, denn „unsere“ Marina hatte nämlich zwei E-Bikes zum Verleih (je 15€/Tg) welche wir nächsten Tag in Anspruch nahmen und damit Valencia erkundeten. Eine tolle Stadt, wo uns insbesondere der futuristische Bereich „Ciutat de les Arts“ sehr gut gefallen hat. Die brütende Hitze schlug allerdings erbarmungslos zu und war nur im Fahrtwind erträglich. Der Calima wehte Tag für Tag und trieb die Temperaturen auf weit über 30 Grad.

Nach zwei Nächten Valencia gings zum Endpunkt des Törns, zur Marina Burriananova. Zuerst etwas Gegenwind, danach prächtiges Segeln. Wir erreichten die Marina am Nachmittag und ich erhielt meinen Platz für die nächsten 6 Wochen zugewiesen. Ich hatte diesen Ort eigentlich nur deshalb gewählt, weil es die einzige Marina war, welche vorab eine Reservierung durchgeführt hatte. Burriananova ist zwar ein Fremdenverkehrsbereich, bietet aber jetzt keine großartigen Sehenswürdigkeiten oder Strände. Dafür ist die Gastronomie und der Geschäftsbereich eindeutig billiger als an den Hotspots. Bis in den Hauptort Burriana sind es 4km, welche wir zu Fuß hin und retour zurücklegten.

Die Calisto liegt hier allerdings sehr gut (etwa 700€ für zwei Monate) und ich konnte ruhigen Gewissen nach Hause fliegen.

Nach einem Tag für alles Mögliche, (+Fußballfinale Spanien-Argentinien in einem Lokal) fuhren wir am kommenden Nachmittag mit einem Taxi zum Flughafen Valencia (105€), wo gegen 19.30h der Abflug gewesen wäre. Es verzögerte sich jedoch um drei Stunden, sodass wir erst weit nach Mitternacht in Wien ankamen. Es gab keinen öffentlichen Verkehr, und ich fuhr erstmals mit dem Taxi in der Nacht nach Hause. Um 02.30h war dieser Törn dann endgültig beendet.

 

 

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